Ein hohes Patientenaufkommen im ambulanten Gesundheitswesen steht viel zu häufig knapp bemessenen zeitlichen Ressourcen gegenüber. Durch die hohe Arbeitsbelastung sehen viele Praxisbetreiber kaum zeitlichen Spielraum mögliche Defizite im eigenen Hygienemanagement festzustellen und daraus den tatsächlichen Schulungsbedarf ihrer Mitarbeiter zu ermitteln.

Gesetzlicher Hintergrund

Der Gesetzgeber formuliert allerdings sowohl in den Regularien des Arbeitsschutzes (TRBA 250) als auch in einem überwiegenden Teil der Hygieneverordnungen der Länder eine Verpflichtung zur Durchführung von Hygieneschulungen. Als Mindestmaß werden (mindestens jährliche) arbeitsplatz- und tätigkeitsbezogene Unterweisungen des Personals gefordert. Ebenfalls ist es erforderlich, die Mitarbeiter vor Tätigkeitsaufnahme sowie bei maßgeblichen Änderungen der Arbeitsbedingungen zu schulen. Es besteht jedoch für den Praxisbetreiber keine Verpflichtung, die Unterweisungen seiner Mitarbeiter persönlich durchzuführen. Die Schulung selbst sowie die Überprüfung der Umsetzung kann an qualifiziertes Personal (z.B. eine hygienebeauftragte MFA) delegiert werden.

Für eine rechtssichere Umsetzung ist es empfehlenswert, die Durchführung und die Unterweisungsinhalte vom Unterwiesenen durch Unterschrift bestätigen zu lassen. Als wesentliche Themen bieten sich die Inhalte des geltenden Hygieneplans an. Nach der Unterweisung sind die Beschäftigten gemäß der TRBA 250 verpflichtet, „die Arbeiten so auszuführen, dass sie, entsprechend den Unterweisungen (…) eine Gefährdung ihrer Person und Dritter durch biologische Arbeitsstoffe möglichst verhindern.“

Die Basis aller Schulungsinhalte sollten die im Hygieneplan der Praxis 

festgelegten Abläufe und Verfahrensweisen sein.

Neben der rechtlichen Verpflichtung sollte jede Hygieneschulung auch zum Ziel haben, etablierte Verhaltensweisen kritisch zu hinterfragen. Aus praktischer Sicht hat es sich bewährt, die Inhalte nicht nur theoretisch zu behandeln, sondern möglichst praxisnah und interaktiv an die individuelle Situation vor Ort anzupassen. Hilfreich kann außerdem eine Diskussionsatmosphäre auf Augenhöhe sein, damit die Mitarbeiter sich mit den Inhalten identifizieren und einen eigenen Praxisbezug herstellen können.

Umsetzung

Da sich die Unterweisungen oftmals an den Arbeitstag anschließen, sollte die Bereitschaft der Mitarbeiter zu Beginn durch eine klare Informationsweitergabe über die zu erwartenden Inhalte, Schwerpunkte und die voraussichtliche Dauer aktiviert werden. Sinnvoll ist es auch Arbeits- und Handlungsabläufe zu trainieren (z.B. die Durchführung der hygienischen Händedesinfektion bei der Patientenversorgung) und offensichtliche Defizite in der hygienischen Sorgfalt z.B. anhand von Fotos zu demonstrieren und aufzuarbeiten. Diese Vorgehensweise kann die Grundlage einer kritischen Auseinandersetzung mit dem eigenen Handeln bilden und die Compliance zur Umsetzung und Optimierung der Hygienemaßnahmen erhöhen.

Autor: Jennifer Schmitz, Fachgesundheits- und Krankenpflegerin für Krankenhaushygiene (Hygienefachkraft), HygieneManagement Solutions [Mail: j.schmitz@hygso.de]

Weiterführender Link:

https://www.baua.de/DE/Angebote/Rechtstexte-und-Technische-Regeln/Regelwerk/TRBA/pdf/TRBA-250.pdf;jsessionid=FDB211F5B653FD8C255D45E5D6EE5F30.s2t2?__blob=publicationFile&v=3