Die Hände des Personals sind das Hauptmedium für Kontakte aller Art und auch das meistgenutzte medizinische „Werkzeug“. Gleichzeitig stellen sie jedoch auch das mit Abstand größte Übertragungsrisiko von Krankheitserregern dar. Gemäß der aktuellen Datenlage gehen Experten von jährlich zwischen 500.000 und 800.000 nosokomialen Infektionen in Deutschland aus. Gerade der Anteil der Infektionen, die durch indirekte Erregerübertragung (z. B. durch Handkontakte, gemeinsam genutzte Gegenstände) begünstigt werden, gilt durch konsequentes Einhalten hygienischer Maßnahmen als vermeidbar. Die hygienische Händedesinfektion ist ein integraler Bestandteil der Basishygiene und gilt weltweit als die einfachste und wirksamste hygienische Einzelmaßnahme zur Unterbrechung von Infektionsketten und trägt zusätzlich zum Eigenschutz der Beschäftigten bei.

Umsetzung in die Praxis

Die unterschiedlichen Bestandteile der Händehygiene haben zum Ziel, die Erregerübertragung zwischen dem Patienten, dem Personal und den nachfolgenden Patienten zu verhindern, bzw. Verschmutzungen zu entfernen. Hinsichtlich der Abtötung von Mikroorganismen und der Hautverträglichkeit ist die hygienische Händedesinfektion der Händewaschung mit Wasser und Seife deutlich überlegen. Die Hände sollten nur bei sichtbarer Verschmutzung sowie gegebenenfalls zu Arbeitsbeginn und -ende gewaschen werden.

Die Händewaschung ist zur Unterbrechung von Infektionsketten ungeeignet. Neben einer unnötigen Hautbelastung kann durch Restfeuchte die Wirksamkeit der Händedesinfektion beeinträchtigt werden.

Die ursprünglich durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) etablierten „5 Momente der Händehygiene“ beschreiben die wesentlichen Durchführungszeitpunkte der Händedesinfektion. Sie wurden mittlerweile auch vom Robert Koch-Institut, welches in Deutschland maßgebend für die Empfehlung hygienischer Anforderungen ist, übernommen. Die wichtigsten Indikationen zur Händedesinfektion sind demnach die „Momente“ vor und nach Patientenkontakt, vor aseptischen Tätigkeiten und nach Kontakt mit potentiell infektiösem Material (z.B. Blut).

Doch gerade im straff getakteten Arbeitsalltag erfordert es ein großes Maß an Disziplin, um eine effektive Händehygiene einzuhalten. Auch wenn alkoholische Händedesinfektionsmittel eine ausreichende Wirksamkeit binnen 30 Sekunden gewährleisten, zeigen Beobachtungen, dass bis zu 50 % der erforderlichen Händedesinfektionen unterlassen bzw. nachlässig durchgeführt werden. Entscheidend für eine gute Compliance des Personals ist – neben der Verfügbarkeit von Desinfektionsmittel – die Verträglichkeit und Akzeptanz des jeweiligen Präparates.

Eine effiziente Händedesinfektion kann nur erreicht werden, wenn neben einer ausreichenden Menge an Desinfektionsmittel auch eine vollständige Benetzung der Hände erfolgt. Ob die Benetzung nach der Schrittfolge der DIN EN 1500 oder aber durch eine eigenverantwortliche Einreibetechnik durchgeführt wird, hat keinen maßgeblichen Einfluss auf das Ergebnis. Entscheidend sind die Benetzung und das Einhalten der Einwirkzeit. Der Verzicht auf Schmuck an Händen und Unterarmen (einschließlich Ehering!) sowie die Naturbelassenheit der Nägel sind übrigens durch den Gesetzgeber unmissverständlich in den Regularien des Arbeitsschutzes (TRBA 250) festgeschrieben.

Autor: Jennifer Schmitz, Fachgesundheits- und Krankenpflegerin für Krankenhaushygiene (Hygienefachkraft), HygieneManagement Solutions [Mail: j.schmitz@hyso.de]

Weiterführender Link:

https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Krankenhaushygiene/Kommission/Downloads/Haendehyg_Rili.pdf?__blob=publicationFile